Dienstag, 13. Mai 2014

Wer kauft bei Aldi?


Auch wenn die Überschrift des Posts eventuell spontan anderes vermuten lassen würde, CIRF sind noch immer in den USA und dementsprechend geht es auch nicht um Aldi in Deutschland, sondern in den USA. Da es leider noch immer weit und breit in der Umgebung von Norfolk keinen Aldi gibt, sind CIRF während des grössten Teils des Jahres auf traditionelle amerikanische Supermärkte angewiesen, aber sobald sie sich in einen anderen Teil der USA bewegen, gehört Einkaufen bei Aldi zur Standardroutine.
Aldi in den USA, d.h. der amerikanische Ableger von Aldi-Süd, der dann auch hier unter dem bekannten Namen und Logo firmiert, dürfte auch bei näherer Betrachtung für den durchschnittlichen deutschen Verbraucher vertrautes Territorium sein. D.h. vergleichsweise kleine Märkte mit einem festen Programm an Hausmarken, wöchentlichen Sonderangeboten aus dem gesamten non-food Bereich sowie saisonale Produkte wie Ostereier und Weihnachtsbäckereien, relativ günstige Preisen, dem Charme des von der Palette kaufen und eben auch so Kleinigkeiten wie Einkaufswagen mit Pfandchip oder eben hilfsweise einer 25cent Münze, Plastiktüten nur gegen Bezahlung und garantiert niemandem, der einem übereifrig die Einkäufe in hunderte viel zu dünne Plastiktüten einpackt und dabei keine Hemmungen hat, die Konservendosen einfach auf die frischen Tomaten zu stapeln. Kurz gesagt, ziemlich genau das, was CIRF eigentlich suchen, wenn sie eben den wöchentlichen Einkauf hinter sich bringen.
Wenn CIRF dann einmal die Gelegenheit haben, tatsächlich in einen dieser Läden zu gehen, gibt es allerdings eines, dass ihnen immer wieder auffällt: die übrige Kundschaft. Nahezu idealtypisch sind diverse Grossfamilien mit eindeutiger Herkunft aus Lateinamerika oder aus anderen typischen Einwanderungsgebieten. Dass Englisch vermutlich noch immer die meist gesprochene Sprache in den Läden ist, dürfte auch nur daran liegen, dass es nicht eine einzelne Sprache ist, die mit Englisch konkurriert, sondern derer Vielzahl, von Spanisch über diverse asiatische Sprachen bis hin zu Deutsch und zwar insbesondere auch dem Pennsylvania-Deitsch der verschiedenen Amish-Gruppierungen. Kurz gesagt, die Kundschaft umfasst so ungefähr alles ausser klassischen Amerikanern.
Wenn man sich fragt, woran dies liegen mag, dann taucht natürlich recht schnell der Punkt auf, dass es eben genau die omnipräsenten normalen US-Marken nicht gibt, sondern Hausmarken, bei denen allerdings genau wie im Rest der Welt davon auszugehen ist, dass es genau dieselben Produkte wie bei Walmart & Co sind, halt nur in einer anderen Verpackung. Genau dies scheint aber bereits Grund genug zu sein, um den durchschnittlichen Mittelklasseamerikaner abzuschrecken. Wenn man dann im I-net die diversen Diskussionen darüber liest, dass es nicht akzeptabel sei, fur den Einkaufswagen zu bezahlen, dann wird es richtig amüsant. D.h. CIRF müssen offensichtlich davon ausgehen, dass der durchschnittliche Mittelklasseamerikaner unfähig ist, ein Pfandsystem für die Wagen intellektuell beherrschen zu können, während dieses die diversen Immigrants offensichtlich ohne jegliche Probleme schaffen. Die Liste liesse sich noch endlos verlängern, aber vielleicht ist es ja am hilfreichsten einfach einmal einen web-Eintrag zu lesen, der nichts anderes ist als eine Gebrauchsanleitung für den Einkauf bei Aldi: http://www.gimmesomeoven.com/aldi-101-how-to-shop-at-aldi/
Bevor er sich mit so etwas auseinandersetzen muss bleibt der durchnschnittliche Amerikaner dann doch lieber gleich seinem Walmart treu, der sich dafür im Gegenzug ja mit Deutschland schwer tut, bzw. es nach ein paar Jahren mit einigen Läden in Norddeutschland ja auch gleich wieder aufgegeben hat.... (ein sarkastisches „Schade“!)
Merke, Aldi setzt offensichtlich eine gewisse Flexibilität und eventuell sogar Intelligenz zum Einkaufen voraus und dies scheint dann eben nicht nur bei CIRF, sondern auch gerade bei den gesamten Einwanderern sowie auch anderen Randgruppen wie den Amish etc. vorhanden zu sein. Dass es in Norfolk und umzu keinen Aldi gibt und auch es nicht danach aussieht, als ob Aldi in die Region kommen würde, obwohl die Region locker ausreichend Bevölkerung dafür hat, muss also an etwas anderem liegen... Ob es die hohe Dichte an US-Militärfamilien war, die damit gemeint war, als Aldi CIRF auf eine Frage warum sie nicht in die Region kommen wollten antwortete, dass in der Region kein ausreichendes Kundenpotential vorhanden sei, lassen wir mal dahingestellt sein, insbesondere wenn es darum geht zu spekulieren, ob dies indirekt mit der Fähigkeit ein Pfandsystem zu begreifen oder eben auch nur leicht ungewohnte Wege zu beschreiten.
Viele Leser des Blogs vermuten es ja schon lange, dass Aldi eigentlich nur eine Tarnbezeichung für Delikatessen-Albrecht ist und dort vor allem die intellektuelle Elite ihre Grundbedürfnisse erfüllt. Vielleicht ist ja auch genau dies der Grund, warum man in amerikanischen Aldis eben auch nicht ‚Joe the Plumber’ trifft, sondern Jose und seine Grossfamilie; Maria und Joseph in der typischen Kleidung der Old-Order Kirchen wie der Amish; Wang und seine chinesischen Kommilitonen oder eben auch CIRF.

Mittwoch, 7. Mai 2014

Outer Banks

CIRF waren schon diverse Male auf den Outer Banks und haben sich den Wind um die Ohren blasen lassen. Diese langgestreckte, grösstenteil vor der Küste von North Carolina gelegene, Inselkette ist nicht gerade besonders breit und hat an der Atlantikseite kilometerlangen Strand und leider auch ziemlich endlos eintönige Ferienhäuser mit monumentalen Brückenkonstruktionen über die Dühne und zum Bodden besser gesagt Backwater hin Grasmarsch.


Jedes Jahr formiert sich ein Teil der Küstenlinie neu, denn die Stürme und Hurricanes verlegen hier und da ein paar zehntausend Kubikmeter Sand und bedecken dabei auch gerne einmal lange Abschnitte der einzigen Strasse, untergraben Brückenpfeiler oder versanden den schiffbaren Zugang zum Boddengebiet. Der typische amerikanische Outer Banks Hausbesitzer versucht dann regelmässig sein Anrecht auf Strand und Zugang neu geltend zu machen und dabei dürfen dann die restlichen Steuerzahler neue Strassen, neue Brücken, wochenlanges Ausbaggern und dergleichen mehr mit bezahlen. Wie war das doch, dass der typische Amerikaner Wert darauf legt, dass möglichst alles in Privatregie betrieben werden sollte und bitte am Besten keinerlei Infrastruktur über Steuern finanziert werden sollte? (Ach nein, das gilt ja nur, wenn es um öffentlichen Nahverkehr, Universitäten, Krankenhäuser und Kindergärten geht. Zufahrtstrassen zu Ferienhäusern, die in der Saison locker mal eben mehrere tausend Dollar Miete die Woche kosten sind von diesem Konzept natürlich ausgenommen. Man braucht sich da ja auch keine Gedanken darüber zu machen, dass ein einkommensschwacher Amerikaner sich auf die faule Haut legen könnte...)

 


Zum Osten endloses Meer
entlang der Kueste endlose Haeuser
Zu CIRFs Verwunderung werden aber weiter neue Häuser in die Dühnen gebaut und somit auch die wenigen verbleibenden natürlich bepflanzten Puffer zerstört. Zu CIRFs Freude brüten aber ausreichend Schildkröten und bedrohte Vögel an der Küstenlinie, dass wenigstens im Frühjahr das Off-Road-Driving in grossen Gebieten durch die National Parks and Seashore Verwaltung verboten ist.

Im Herbst 2013 unternahmen CIRFwieder einen Ausflug in das Haus von Freunden in Corolla und dabei entstanden die eingefügten Familienfotos. Meist erwischen sie einen ziemlich windigen Tag, einen Tag gut zum Standspielen und einen Regentag. Vielleicht kann im Juni auch endlich einmal gebadet werden, denn im April ist es noch zu kalt und im Oktober war die See einfach zu aufgewühlt.


Die Rückfahrt durch das ländliche NC führt an diversen Obst- und Gemüseständen vorbei, bei denen es sich sowohl um den Verkauf von Produkten aus dem erweiterten Garten des Mobil-Home handeln kann, als auch um kommerzielle Landwirtschaft einer Grössenordnung, die jeder Europaer nur als Agrarindustrie bezeichnen würde, die hier aber noch locker als regionale landwirtschaftliche Kleinbetriebe gelten. RF machten eine Pumpkin-Fahrt per Trecker zum Pumpkin Patch. Im Preis war sogar je ein Kürbis für die herbstliche Gartendeko inbegriffen, dafür hätte ein Glas Marmelade (aus den Appalachen importiert) im zugehörigen Laden jedoch gleich über 6$ gekostet.


 
Die weniger Häuser entfernt gelegene Kleinbrauerei erwies sich zwar ebenfalls als hoffnungslos überteuert, hatte dafür aber immerhin gut schmeckende Kürbisleberwurst, was CIRF nicht mehr sonderlich verwunderte, als sie feststellte, dass dieser Betrieb fest in bayerischer Hand ist. (Bayern + North Carolina = Bier und Leberwurst + Kürbis, unerwarteterweise eine recht interessante Kombination)

Donnerstag, 1. Mai 2014

Boy Scouts of America

Troop 28 in the Bayview Area
CIRF haben sich auf ein weiteres US-typlisches Erlebnis eingelassen und F ist im Herbst 2013 den Boy Scouts und somit der Untergruppe der Cub Scouts (Kindergarten-5.-Klässler) beigetreten, da F unbedingt endlich schnitzen und campen gehen wollte. Natürlich ist nicht nur das Kind aktiv dabei, sondern auch C & I dürfen/müssen mitmachen und zwar nicht nur bei den Gruppentreffen sonderen auch bei der Erstellung von diversen Nahrungsmitteln für die „besonderen“ Veranstaltungen, deren Organisation und Vorbereitung sowie bei den bisher miterlebten zwei Campingwochenenden.
 
Wer schon mal die Freude hatte mit I zelten zu fahren, weiss das hier Minimalcamping angesagt ist und bei einem Ausflug mit einer Herde Amerikaner dieses dann auch fast nur bei CIF zu finden war. Pack 28 hat nämlich einen voll ausgerüsteten Küchenanhänger in dem fast alles vorhanden ist, was sich ein Camperherz wünscht. Nur Strom wird nicht verwendet.
Die Bilder zeigen CIF bei den Camptouren Anfang November und Anfang März (der Unterschied ist an der Belaubung der Bäume zu erkennen) und bei einer Zeremonie in der Kirche in der sich die Gruppe trifft.
Pumpkin Chunking in Pipsiko

Die ersten Versuche mit Pfeil und Bogen


Spaziergang zu einem grossen alten Baum




Kuechenzelt


Es gibt innerhalb des Jahres nicht nur das „Wolf-Buch“ zu bearbeiten, sodass F im Mai zum Wulf Cub Scout aufsteigt, sondern die Akelas (also die aufmunternd wirkenden, ihr Kind allzeit unterstützenden Erziehungsberechtigten) dürfen aus einer Myriade von weiteren Arrows, Belt Loops und Pins eine Auswahl treffen und diese in der Freizeit erledigen, damit F zwischendrin und am Ende das Schuljahres mit diversen Auszeichnungen versehen wird.
 
Für I hat sich dann auch noch ganz nebenbei geklärt, was es mit dem „Schlauen Buch“ von Tick, Trick und Track auf sich hat. Das Donald Ducks Neffen „Fieselschweiflinge“, d.h. Entenhausener Scouts sind, hatte I ja schon immer gewusst.
Dank F und der Cub Scouts weiss I jetzt eben auch noch, dass es das „Schlaue Buch“ auch tatsächlich gibt. Leider ist die reale Variante allerdings doch nicht ganz so schlau, wie diejenigen des Entenimperiums.

Im Herbst 2014 wird dann aus Frankfurt mit den Bear Cub Scout Erfordernissen begonnen, damit F in seiner Norfolker Abwesenheit nicht zurück bleibt.

Frühstück: man nehme 2-3 Eier, etwas Milch, Salz und Pfeffer und je nach Geschmack Käse oder Speck; vermische alles in einer Zip-Lock-Bag schüttel kräftig und tue dies im Beutel in kochendes Wasser, voila Rührei (etwas eigenartig schmeckend!)

 
 
 
 
Glücklicherweise hatten wir das eine gute Wochenende erwischt, vorher hatte es ein paar Frostnächsten gegeben und danach fast eine Woche lang geregnet.

 
Wer noch mehr über die Scouts  lesen möchte: http://www.scouting.org nach.

 
 

Sonntag, 20. April 2014

Osterblumen am Kreuz vor der Kirche


Eine nette Tradition scheint es bei den Presbyterianern zu sein am Ostersonntag ein Kreuz mit frischen Blumen aus dem Garten zu bestücken. So bringt jede Familie ein paar Blümchen mit und lässt sich vor dem Kreuz fotografieren. Auch CIRF haben sich in drei Kombinationen ablichten lassen.



 

Wegen der diversen Verpflichtungen CIRFs war es nicht moegleich alle gemeinsam abzulichten.
 
 
CF im Chor, R in der Kinderbetreuung und I als Mittelsmann.
 
In unserer technisierten Zeit werden die Fotos dann ziemlich zeitnah auf Facebook gestellt und man kann sich alle Fotos nochmals ansehen. FB ist bei uns in der Gemeinde schon ein Mittel der schnellen Kommunikation.

Freitag, 18. April 2014

Antidiskriminierung mal anders ?


Auch wenn es noch kein Urteil gibt, dann doch schon jetzt ein Eintrag zu einem Fall, der derzeit vor dem Supreme Court, d.h. dem obersten Gericht der USA verhandelt wird. Unter dem schoenen Namen „Sebelius v. Hobby Lobby“ geht es um nichts geringeres, als dass die Firma Hobby Lobby das Recht erhaelt, auf der Grundlage der religioesen Ueberzeugung ihrer Eigentuemer sich aus der Verpflichtung eines umfassenden Krankenversicherungsschutzes fuer ihre Mitarbeiter herauszumogeln. Konkret handelt es sich um Folgendes: Die im Kontext von ‚Obamacare’ vorgesehene Krankenversicherungspflicht sieht vor, dass diese Verhuetungsmittel mit abdecken muss, waehrend die Eigentuemer der Firma geltend machen, dass die Nutzung eben dieser nicht mit ihren religioesen Prinzipien vereinbar ist und sie deshalb eine solche Krankenversicherung nicht anbieten wird. Mag ja alles ganz nett klingen, hat aber dennoch zumindest zwei kleine Schoenheitsfehler: Zum einen ist die Firma offensichtlich ueber ein wie auch immer geartetes Investment mehr oder minder direkt mit einem Pharmakonzern verbandelt, der eben genau diese produziert und anbietet und zum anderen stellt sich die Frage, ob die Firma oder vielleicht doch eher ihr Eigentuemer diese religioesen Vorbehalte hat und wieweit diese wirklich in solcher Konsequenz geschuetzt sein koennen. Zum ersteren laesst sich jawohl nur sagen, dass offensichtlich mal wieder religioese Ueberzeugung genau da aufhoert, wo es um moeglichen wirtschaftlichen Gewinn geht (wen wundert das eigentlich) und beim zweiteren wird es noch um einiges interessanter. D.h. wenn die Inhaber einer Firma eine Freistellung von allgemein gueltigen Gesetzen beantragen koennten, dann waere es ja nur eine Frage der Zeit, bis dieses auf beliebige Religionen und Pseudoreligionen ausgedehnt werden wuerde, d.h. heute Verhuetungsmittel, morgen Bluttransfusionen und ueber uebermorgen denken CIRF lieber gar nicht nach. Wie waere es z.B. mit einer ‚Religion’, die von vorneherein jegliche Schulmedizin ablehnt ? Wuerde sich damit die Krankenversicherung fuer deren Mitarbeiter ganz von alleine erledigen ? Oder wie waere es mit einer ‚Religion’, die nur eine Behandlung durch Personen gleichen Geschlechts, Augen- oder Hautfarbe erlaubt? (Sollte sich doch nicht allzuschwer argumentieren lassen, dass auch dieses eine religioese Ueberzeugung ist) Zu Ende gedacht, wuerde dies heissen, dass Diskrimierung jeglicher Art wieder zulaessig waere und zwar dann nicht laenger mehr als Diskrimierung, sondern als Ausuebung einer wie auch immer gearteten Religion. D.h. jegliche Untote wie der Klan und aehnliche koennte wieder ganz offen agieren und zwar aus dann geschuetzter ‚religioeser’ Ueberzeugung.  Wozu braucht man Segregation, wenn sich das auch anders erreichen laesst und mit einem einzigen Urteil des Supreme Courts koennten Jahrzehnte zumindest in der Theorie erfolgreicher De-Segregation dahin gegangen seien.
CIRF erwarten also gespannt das Urteil des Supreme Court und zwar auch dann, wenn es sie persoenlich vermutlich kaum betreffen wird.
Antidiskriminierungsgesetze europaeischen Stiles moegen zwar alles andere als perfekt sein, aber haben doch vielleicht auch ihren Grund.
Mann koennte natuerlich auch die Frage stellen, ob die USA einfach zu lange in bestimmten Regionen des Nahen Osten aktiv gewesen sind und jetzt eine Kombination aus Mullah-Regime und American Way of Life anstreben? Den religioesen Fanatismus aus Nahost mitsamt seiner in alle Lebensbereiche hereinreichenden Regelungen und Vorschriften und diesen dann mit dem Prinzip des amerikanischen Freedom kombiniert, bei der jeder selber entscheiden kann, was er denn tuen moechte, oder besser gesagt fuer die heutige USA jedes Unternehmen seine hoechst eigene religioese Ueberzeugung haben kann und diese zwangsweise direkt bzw. indirekt auf alle Mitarbeiter ausdehnen und anwenden darf...
 
„When fascism is coming to America
it will be wrapped in the flag and carrying a cross.“
(Sinclair Lewis)

Mittwoch, 16. April 2014

Werbefernsehen im Knast


Gemäß der jüngsten Print-Ausgabe der NSO Times, d.h. des Newsletters des Norfolker Sheriffs Office, wird es innerhalb der nächsten Monate einige Veränderungen im Norfolker Gefängnis geben. Auch wenn CIRF davon weder direkt noch indirekt betroffen sind und hoffentlich auch niemals sein werden, erscheint es ihnen doch nicht ganz uninteressant.
Grundsätzlich sind Veränderungen in amerikanischen Gefängnissen mit Sicherheit zu begrüßen. Jeder der einmal Bilder aus einem US Gefängnis gesehen hat weiß, dass dieses System mit dem europäischen nicht vergleichbar ist und Konzepte wie Resozialisierung etc. bestenfalls weit hinter Konzepten stehen, die irgendwie immer den Beigeschmack von Vergeltung haben.
Veränderung muss allerdings ja nicht immer zum Positiven sein ...
D.h. die neueste Idee des Norfolker Sheriffs Office als die das Gefängnis betreibende Behörde ist dann etwas, das so amerikanisch ist, dass es fast zum Lachen sein könnte, wenn es nicht zugleich so viel über die amerikanische Gesellschaft sagen würde.
Kurz gesagt, das Werbefernsehen soll Einzug ins Gefängnis halten. Richtig gelesen: Werbefernsehen! Es wär ja an sich nichts besonderes, wenn es denn die gleiche Werbung wär, mit der jeder Amerikaner sowieso zugemüllt wird. Nein, der Sheriff hat eine bessere Idee und zwar exklusive Werbung für die Insassen. Gemäß des Berichtes wird es Werbung von Anwaltskanzleien, Kautionsverleihern und anderen einschlägigen Unternehmen sein. Das ganze wird dann noch als win-win Situation verkauft, die dazu helfen soll, das Budget der Gefängnisse in Zeiten knapper Kassen aufzubessern.
Immerhin soll zumindest darauf verzichtet werden, dieses Konzept auch auf das Gerichtsgebäude auszudehnen. D.h. auch weiterhin wird es nicht möglich sein, sich unmittelbar vor einer Verhandlung noch schnell via Werbung darüber zu informieren, wer denn der geeignete Verteidiger sein könnte.
Geradezu sarkastisch wird es dann allerdings, wenn der Sheriff als ein Argument für den potentielle Erfolg dieser Idee anführt, dass Werbung im Gefängnis ein erfolgversprechendes Konzept wär, da es sich ja um eine ‚captive audience’ handelt....

Haha, wenn diese Maßnahme denn wenigstens den Insassen zu Gute kommen würde – aber dazu sagt die NSO Times nichts.

Freitag, 11. April 2014

Honor Roll Student


 
Eine interessante Veranstaltung alle Vierteljahr in der Schule ist die honor roll assembly. D.h. alle Schüler die mindestens alles Bs (also 2er) haben sind mit ihren Eltern, Grosseltern und aller sonst Interessierten eingeladen an der Veranstaltung teilzunehmen. Dann halten der Schulleiter (Prinzipal) und andere designierte Personen kurze Reden, ggf. spielt auch noch eine Gruppe etwas Musik, Tanzt oder liest was vor und dann wir jedes zu belobigende Kind aufgerufen nach vorne zu kommen und bekommt eine Urkunde überreicht. Ja, so haben wir stolzen Eltern in verschiedenen Besetzungen diese Veranstaltung ertragen, haben F beglückwünscht und sind wieder von dannen gezogen.
Zu unserer Freude honoriert ein Second Hand Buchladen bei uns um die Ecke jedes gute Zeugnis mit Büchern im Wert von 5-10$ - das finden CIRF natürlich ausgesprochen gut!

Was CI aber sicher nicht tun werden ist einen Sticker ans Auto zu bappen, auf dem zu lesen ist, dass man ein „proud parent of an honor roll studen at xx-school“ wäre.

Wer F kennt weiss, dass hier eine Menge B vor dem Engel steht...


PS. Im Mai hat R folgenden Text auf einem Zertificat erhalten:
"In recognition of academic achievement for earning the Dean’s List distinction".
CI sind stolz auf ihre Kinder!
   
 

Samstag, 8. März 2014

Pinewood Derby Car competition


Ein Highlight der Cub Scout Karriere ist das Derby Car Rennen. Hierbei wird aus einem vorgegebenen Holzklotz und einem Satz Räder und Achsen ein Fahrzeug unter bestimmten Bedingungen (Länge, Breite, Gewicht) hergestellt, dass all eure handwerklichen Fähigkeiten in den Schatten stellt. CIF hatten sich schon bemüht ein nettes Auto zu basteln aber beim ersten Rennen der Gruppe sind sie dann doch ziemlich überrascht gewesen, denn eigentlich waren hier die Fähigkeiten eines Autobauers und professionellen Handwerkers gefragt und nicht das Ergebnis eines netten Bastelnachmittags in der heimischen Küche. Ausgefeilte Formlinien, aerodynamische Lakierung und ausgefuchste Anwendungen von Polierbürsten und Grafit waren nicht in CIFs Repertoir. Dennoch, Platz 3 von 4 in der Gruppe und beim Bezirksrennen ein Platz unter ferner liefen kam dabei heraus. Gewonnen hatten die Autos, die moglichst flach waren und ihren Schwerpunkt duch angebrachte Gewichte am hinteren unteren Ende aufwiesen. Soll das für 2014 eine Herausforderung sein oder lassen wir das Kind dann eher ganz alleine bauen...?

CIFs Auto ist blau mit einem Metallstab oben drauf und das 4. von hinten auf der rechten Seite.

Fuer die Experten hier weitere Details:
http://www.scoutstuff.org/bsa/crafts/pinewood-derby/vehicle/official-pinewood-derby-car-kit.html
und http://en.wikipedia.org/wiki/Pinewood_derby

Mittwoch, 19. Februar 2014

Christian Wulff und Robert (Bob) McDonnell


Was haben der ehemalige deutsche Bundespräsident und der ehemalige Gouverneur des US-Bundesstaates Virginia gemeinsam und was bringt CIRF dazu, sich diese Frage in ihrem Blog zu stellen?

Die Gemeinsamkeiten sind offensichtlich: Sowohl Wulff als auch McDonnell sind Politiker, die höchste Staatsämter in ihrem jeweiligen politischen System bekleideten. Zudem sind beide für das jeweilige Amt relativ junge Politiker (McDonnel ist Jahrgang 1954, Wulff ist Jahrgang 1959). Beide gehören nicht nur in das jeweilige konservative Lager der politischen Parteien ihres Landes, sondern wurden von den Republikanern bzw. der CDU als Hoffnungsträger gefeiert. Obwohl CIRF sich kaum dieser politischen Richtung zurechnen, wäre alles bis jetzt geschriebene noch kein Grund, den beiden einen Eintrag in diesem Blog zu widmen. Der Grund hierfür ist dann schliesslich eine weitere Gemeinsamkeit: Beide Politiker stehen nicht nur unter öffentlichem Verdacht, im Verlaufe ihrer politischen Karriere Begünstigungen angenommen zu haben, sondern stehen deswegen derzeit vor Gericht.

Genau dies ist dann auch der Punkt, der CIRF dazu veranlasst hat, sich des Themas anzunehmen.
Grundsätzlich gilt sowohl für Wulff als auch für McDonnell die Unschuldsvermutung, d.h. CIRF werden sich hüten, die beiden Fälle im Detail zu schildern oder kommentieren, vor allem da sie weder zu dem einen noch zu dem anderen Fall mehr Wissen haben, als in den Medien frei verfügbar ist. Dazu kommt noch, dass beide nicht mehr im Amt und aus der Sicht von CIRF von jeweils geeigneteren Nachfolgern abgelöst worden sind, wobei sich dies im Falle von McDonnell, der bis Mitte Januar 2014 im Amt war, wirklich erst in den kommenden Monaten beurteilen lassen wird.

Streng genommen sind Wulff und McDonnell CIRF an sich völlig egal, was CIRF dagegen keinesfalls egal ist, ist die simple Tatsache, dass es möglich ist, dass zeitgleich sowohl in Virginia als auch in Deutschland ehemalige Inhaber höchster Ämter aufgrund des Verdachts von Vorteilsnahme vor Gericht stehen und dies breit in den Medien diskutiert wird, aber eben kein Aufschrei durch die Bevölkerung geht.
Sind Deutschland und die USA tatsächlich dort angekommen, dass nicht einmal der Verdacht auf Vorteilsannahme mehr dazu führt, dass die Menschen in den Ländern sich in Bewegung setzten und protestieren? Es mag zwar sein, dass jedes Volk die Regierung bekommt, die es verdient – irgendwer hat die beiden ja schliesslich gewählt – doch dann stellt sich die Frage, wohin CIRF denn überhaupt ggf. noch in der Zukunft umziehen können, um in einem Land zu leben, in dem mit dem Begriff Demokratie noch etwas verbunden ist, dass diesen Namen verdient.

Sonntag, 16. Februar 2014

Neues aus der Virginia Assembly


Es ist mal wieder so weit, es ist Session der Virginia Assembly, d.h. des Parlaments von Virginia, und die Abgeordneten der beiden Kammern beschäftigen sich für einige wenige Wochen damit, neue Gesetze einzuführen, bestehende zu modifizieren oder eben auch alte Gesetze aus den Büchern zu entfernen.

Alte Gesetze und Verordnungen sind in den USA ja nichts besonderes, und es ist für CIRF immer wieder unfassbar, was sich so alles noch in den geltenden Gesetzestexten finden lässt. Dass diese dann aber eben auch in der Assembly diskutiert und bewusst nicht gestrichen werden, ist für CIRF insofern etwas anderes, als es in diesem Fall ja wohl heißen muss, dass diese Gesetze nicht nur einfach noch als Rudiment einer vergangenen Zeit fortbestehen, sondern offensichtlich weiterhin als adäquat angesehen werden.

Jetzt aber zu den konkreten Gesetzen:
Zuerst die gute Nachricht, d.h. die Virginia Assembly hat endlich das Verbot der ‚sodomy’ abgeschafft. Bevor jetzt irgendwer falsche Gedanken bekommt, der Hinweis, dass der Begriff der ‚sodomy’ im amerikanischen Kontext eine andere Bedeutung hat, als der Begriff der Sodomie im Deutschen. ‚Sodomy’ meint nichts anderes als Oralverkehr bzw. auch anale Penetration und sofern diese im gegenseitigen Einvernehmen zwischen erwachsenen Partnern geschieht hat der Bundesstaat Virginia kein Interesse mehr daran, in die entsprechenden Schlafzimmer mit der Gesetzeskeule in der Hand hineinzuschauen. Dass diese Regelung, bzw. eben die Abschaffung derselben, längst überfällig war ist für CIRF eine schlichte Tatsache und somit hat die Assembly nichts anderes getan, als endlich einen Zustand herbeizuführen, der längst überfällig war.

Kritisch wird es dann allerdings, wenn die Assembly in der gleichen Session sich bewusst dagegen entschieden hat, auch ein Gesetz zu streichen, dass den außerehelichen Geschlechtsverkehr verheirateter Partner zur Straftat erklärt. Was man davon halten mag, sei dahingestellt und CIRFs Position dazu dürfte den Lesern dieses Blogs bekannt sein, doch was hat der Staat in dieser Frage zu suchen, vor allem wenn es doch scheinbar einer der höchsten amerikanischen Werte ist, einen Staat zu haben, der sich aus den Angelegenheiten des Individuums so weit wie möglich heraushält?

Egal wie, das Gesetz besteht weiter und jetzt da es erneut verhandelt worden ist, lässt es sich nicht mehr einfach damit abtuen, dass es ein überholtes Gesetz ist, das eben nur noch einfach in den Büchern steht. Konkret wird die Situation noch spannender, wenn CIRF über den Alltag in der ein oder anderen Patchwork-Familie in den USA nachdenken. D.h. sobald eine verheiratete Frau das Kind eines anderen Mannes hat, ist ab sofort der Staat an dieser Situation nicht mehr nur daran beteiligt, der Mutter zu helfen, Kindesunterhalt vom Vater einzufordern, sondern kann von diesem Unterhalt sogleich die Strafe für den Verstoß gegen dieses unglaubliche Gesetz einbehalten, da ja allein die Existenz des gegenüber einem anderen Mann unterhaltsberechtigten Kindes einer verheirateten Frau als eindeutiger Beweis dafür anzusehen ist, dass diese Frau und der entsprechende unterhaltspflichtige Vater gegen dieses Gesetz verstoßen haben. D.h. ab sofort ist die Durchsetzung von Kindesunterhalt in solchen Fällen in Virginia automatisch mit einer Geldbuße belegt und zugleich als Nachweis für eine zuvor begangene Ordnungswidrigkeit bzw. Straftat zu bewerten.

Manche der alten amerikanischen Gesetze mögen ja als ganz amüsant zu bezeichnen sein, aber hier hört es für CIRF eindeutig auf. Moral hin oder her, in dieser Frage hat der Staat nichts zu suchen, außer dass er das Wohl des Kindes vertritt und ggf. durchsetzt und zwar unabhängig davon, ob seine Eltern verheiratet sind oder waren und zwar eben auch unabhängig davon ob miteinander oder nicht.

Für Norfolk findet sich in den entsprechenden Sammlungen kurioser amerikanischer Gesetze eine Verordnung, die es unter Strafe stellt, wenn Frauen ohne Korsett das Haus verlassen. Hier gilt dann allerdings, dass dieses bereits vor Jahrzehnten vom City-Council abgeschafft wurde, auch wenn CIRF damit um einiges besser leben könnten, als mit dem Schwachsinn der eben jetzt gerade in der Assembly beschlossen worden ist.  Schon erstaunlich welche Gesetze überhaupt einmal beschlossen wurden.